Dienstag, 28. Mai 2013

Liebe Brüste,

links und rechts. Was ist los? Was soll das?
Ich leide unter eurer Anwesenheit. Ich kann euch nicht bewegen, nicht bekleiden. Und im Normalfall lagt ihr frei in der Nacht. Bettetet euch in harmonischer Zweisamkeit auf meiner Brust. Aber jetzt. Solche Schmerzen, jedes Mal bin ich vom Neuen überrascht. War es jemals so schlimm? Kann es noch schlimmer werden. Bin ich einfach etwas empfindlich? Wenn ich meine Muskeln, wie Arnie spielen lasse, schmerzt es. Wenn ich jemandem eine herzliche Umarmung schenken möchte, schmerzt es. Wenn ich eine Kiste hebe, wenn ich meinen Rucksack an mich presse um Platz zu nehmen, schmerzt es. Der schlafende, beschwerte Arm meines Freundes, liegt immer flasch. Eine spontane Umarmung oder Kuschelattacke in der Nacht ist einfach nicht möglich. Und so bin ich nicht nur von euch isoliert, sondern auch von dem Rest der Welt. Manchmal muss ich mir an den oberen Teil meiner Brust festhalten um auf den Schmerz zumindest zu reagieren. Natürlich will ich reagieren. Ich will, dass es aufhört. Ich esse regelmäßig Leinkörner, aber zu wirken scheint es nicht.
Meine lieben, ich bin enttäuscht. Ich wünsche mir einen BH, der nicht zu eng sitzt, der keine Bügel hat und auch in der Nacht nicht verrutscht. Ich wünsche mir einen gefütterten BH, der mich vor allem vor und hinter mir schützt. Ich wünsche mir eine heilende Hand, die den Druck nimmt. Zurück zu den leblosen Schläuchen, klein und fast unsichtbar.
Wenn sie klein sind, wünsche ich sie mir groß. Wenn sie groß sind, schmerzen sie. Und wöchentlich wechselt mein körperlicher Zustand. Genauso wie mein seelischer.
So, mehrere Wochen später...
Der Verzehr von Leinsamen soll helfen. Die vegane Ernährung soll helfen. Ich versuche beides. Ich kann schlecht auf einen leckeren Lattemacchiato verzichten, genauso habe ich Gelüste auf Kinder Country, Kinder Riegel. Jeden Tag wird es besser. Ich esse morgens warm und es schmeckt mir. Ich bin ein wenig öfter hungrig, aber dann auch glücklich, wenn ich auf einem Snack, wie zum Beispiel Trauben oder einen Musli mit frischen Bananen und oder Aprikosen oder einen Musliriegel zurückgreifen kann. Ich gehe bewusster in den Laden, Rossmann oder dm um Minuten an dem Bioregal zu stehen und die Preise zu vergleichen, bzw. die Vielfalt und die Größe der Verpackungen zu bestaunen.
Soviel zur veganen Ernährung.
Das schlimme bei der veganen Ernährung, dass man immer versucht andere von seinem eigenen Glück zu überzeugen. Unsere beiläufigen Unterhaltungen drehen sich viel öfter ums Essen als wir mitkriegen. Und so oft wollen wir ein Eis, was vom Bäcker oder einen Kaffee (was meist bedeutet Miniespresso mit viel Milch und Schaum). `Willst Du einen Schluck von meiner Cola?` Oder `Willst Du ein Stück von meiner Schokolade von vorhin?` Man will natürlich gerne ja sagen. So wie man es immer gemacht hat. Gleichzeitig ist man geschockt von seiner eigenen Schwäche auch nur daran zu denken ja zu sagen. Und schon erwischt man sich, wie man sein Gegenüber anzischt, ich esse nichts mit Milch und die Cola hat viel zu viel Zucker. Das solltest auch Du nicht trinken.
Aber zurück zum Empfänger dieses Briefs heute.
Liebe Chichas, ich bin so enttäuscht. Ihr macht mir das Leben schwer. Ich muss mit dem Kissen neben mir schlafen. Ich kann meinen Rucksack nicht mal heben ohne euch zu spüren und das Gesicht zu verziehen.
Ein Video auf youtube brachte mich darauf, Milchprodukte und Fleischprodukte zu meiden.
http://www.youtube.com/watch?v=MKMNETxfF9Q
Ich hoffe Ihr werdet mich im nächsten Monat nicht so nerven. Ich habe noch andere Dinge zu erledigen. Und mich damit zu trösten, dass jammern bei Schmerzen nicht hilft, das bringt´s nicht.
Ich bin neugierig diesen Brief in einem, zwei oder drei Monaten noch einmal zu lesen und schlauer zu sein als zuvor.

Grüße
Jey

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