Donnerstag, 13. November 2014

#notjustsad


Gerade ist es in den Medien. Ein Mädchen schreibt über ihre Gefühle. Gefühle, die sie sonst lieber für sich behält, weil keiner etwas davon hören will.
Ich schaue mir gerne den Film, Ziemlich beste Freunde an. Er spricht in mir so viele Ecken meines Herzens an. Immer wieder muss ich am Ende weinen. Es geht eben nicht nur um Freundschaft sondern darum das Leben zu genießen. Genau das kommt leider viel zu kurz in unserer konsumorientierten Zeit.
Ich möchte euch von meinem Vater erzählen.
Mein Vater ging bestimmt in den letzten zehn Jahren kein einziges Mal ins Kino. Ich erzählte ihm von meinem Kinobesuch und wünschte mir so sehr eine positive Entwicklung bei ihm zu sehen. Er war sehr einsam und depressiv. Das nach seiner Pensionierung.
Er erkrankte nicht all zu spät an Krebs. Er hatte zirka ein Jahr lang höllische Schmerzen, die er auch bevorzugt alleine durchstand. Er hatte auch verpasst sich als Pensionär wieder selbst zu versichern und empfand wohl die Privatversicherung für etwas überteuert, trotz seiner guten Rente. Woraufhin er keine Medikamente gegen die Schmerzen bekam. Aber das alles sind nur Zahlen und Rahmen für unser Leben, das hauptsächlich aus Gefühlen besteht.
Er, nun mit siebzig Jahren entschied sich von sich aus Abschied zu nehmen vom Leben wie er es bisher kannte. Keine Nahrung, kein Spaziergang mehr in die Stadt. Kein Sudoku, keine Freude. Ich unterhielt mich mit einer Freundin darüber und für sie war die Lage ganz klar. Es gab keine Freude im Leben meines Vaters. Natürlich hatte er uns Töchter, aber auch wir sind mehr als beschäftigt unsere eigenen Rahmenbedingungen zu beschreien und zu erstellen. Und ja, wir hatten Kontakt, wir trafen uns gerne und oft. So oft es ging. Und leider ging es manchmal nicht oft.
Das Leben soll schön sein.
Das Leben muss man genießen.
Man darf nicht in der Vergangenheit leben.
Aber es gibt leider viel zu viel zu bereuen, als dass ich ein unbeschwertes Leben führen könnte. Ich hätte mich auf meine Familie konzentrieren müssen. Es war nicht in Ordnung, meine Bedenken in eine andere Stadt zu ziehen, bei Seite zu schieben und einfach nach vorne zu sehen. Nein, mein Leben war dort direkt vor meiner Nase. Ich habe mich aber umgedreht und mich entschieden wegzulaufen.
Es ist nicht in Ordnung zu behaupten, es sei alles in Ordnung.
Mein Vater hat sich alleine gefühlt. Und niemand hat es gewusst. Bis zum letzten Tag habe ich nicht gewusst was er denkt. Eine dreißigjährige Tochter kann sich beim besten Willen nicht vorstellen, wie es ist extrem geschwollene Eier zu haben, die schmerzen.
Was mich zurückführt zum #notjustsad
Ein Mensch, der sich alleine in seiner Wohnung unter Schmerzen entscheidet, bei einem Telefonanruf nicht zu antworten: Ich brauche Hilfe. Ein Mensch, der sich nach einmonatigem Aufenthalt im Krankenhaus entscheidet zu gehen, der hätte durchaus eine Gesellschaft gebrauchen können, die zuhört, die hilft. Menschen, die rumrennen, Papiere ausfüllen, Papiere ausgefüllt bekommen wollen, Drohungen aussprechen, das brauchen wir nicht.
Wir brauchen nicht die zwanzig verschiedenen Leute, mit denen wir Kontakt hatten um Papiere auszufüllen. Wir brauchen den einen der zuhört. Wir brauchen den einen, der versteht, was schief läuft. Wir brauchen eine funktionierende Gesellschaft in der mein Gegenüber alles daran setzt um mir zu helfen. Und wenn er selbst alles verliert dadurch.
So hat er doch eins gewonnen: einen weniger der in sein Herz die Worte #notjustsad einmeißelt.



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