Heute möchte ich mit euch über den Tod sprechen.
Für mich war der Tod obwohl ich nie mit ihm konfrontiert worden bin, immer präsent. Es war mir eigentlich immer klar, dass ich sterben werde oder dass meine Eltern sterben würden. Aber was soll man sonst machen außer es zu akzeptieren? Ich war nie damit konfrontiert worden bedeuted in meiner engen Familie ist eigentlich soweit keiner gestorben. Höchstens mein Opa, aber auch ihn sah ich nicht besonders oft zu seinen Lebzeiten.
Erst in diesem Jahr, in meinem dreißigsten Lebensjahr musste ich meinen Vater verabschieden. Ich war ihm immer sehr nahe. Und habe auch die letzten zwei Monate bei ihm in der Nähe verbracht. Ich hatte nie besondere Träume, es gab Phasen in meinem Leben, in denen ich wesentlich mehr träumte als jetzt. Jetzt würde ich sagen, träume ich besonders wenig und wenn auch wenig intensiv. Ich kann mich morgens kaum daran erinnern was ich geträumt habe noch nehme ich mir besonders viel Zeit um mich damit auseinander zu setzen.
Nach seinem Tod habe ich nun von ihm geträumt und es war eine derart intensive Unterhaltung oder zumindest das Gefühl war intensiv. Und mir war ehrlich gesagt nie klar, warum es für Leute so wichtig war darüber zu reden, dass sie in ihren Träumen mit den verstorbenen Geliebten geredet haben. Nun weiß ich was dahinter steckt und man ist sich tatsächlich nicht sicher wer den Traum initiiert hat, der Träumer oder der Geträumte. Ich weiß, eine recht ungewöhnliche Ausdrucksweise. Aber kennt ihr das, wenn ihr davon regelrecht überfahren werdet, was ihr träumt? Ihr fragt euch, woher und seit wann habe ich diese grenzenlose Fantasie?
Und genauso ging es mir damit so lebensecht meinen Vater wieder zu erleben.
Man hört ja so einiges über Zwischenwelten in denen Geister feststecken. Über sonstige Anzeichen, dass Verstorbene noch in der Wohnung ihren Platz suchen. Mir sind die Themen zu vage, meine Vorstellungskraft doch vielleicht zu begrenzt. Und mein Glaube will sich mit angenehmeren Dingen beschäftigen, als solchen ungreifbaren Dingen. Aber nun gut.
Erst letzt war dieses unheilbar erkrankte Mädchen in den Medien, dass ihren Freitod gewünscht, geplant und auch durchgeführt hat. Eine delikate Angelegenheit. Ich reagiere höchst allergisch darauf.
Ich bin stolz auf meinen wiedergefundenen Wert des Lebens. Einer besonders alten oder besonders kranken Person beim Überlebenskampf zu zu schauen oder zu begleiten ist sehr ernüchternd. Die eigene Antrieblosigkeit oder auf Deprivation ist von solcher Banalität, dass sich das komplette Gehirn scheint zu verschieben. Gedanken mit denen man sich viel zu lange aufgehalten hat, sind plötzlich weggeblasen und man fängt an, die Menschen um sich herum und sich selbst wieder ganz anders und viel natürlicher wahrzunehmen. Nun war mein Vater ein sehr geduldiger und aufmerksamer Mensch, der seine Umwelt sehr wohl wahr genommen und auch die Welt mit Geschichte und Geschehen aufmerksam verfolgt hat, was zwangsweise zu einer sehr gesunden Lebenseinstellung führt. Aber wie das nunmal so ist, Zurückweisungen oder Versagen im Leben oder mit gewissen Standarts nicht zurecht zu kommen, kann einem das Leben, das einfache Überleben wirklich erschweren.
Nun kann ich mir wirklich nicht vorstellen wie man einen Freitod wählen kann. Wobei auch hier wieder der Tod sowie der Freitod kein allzu fremdes Thema waren. Ich fand mich immer wieder in Situationen in denen ich die Ironie des Lebens und die Nähe zum Tod gespürt habe. Gut und schlecht. Absichtlich oder auch nicht absichtlich. Ich habe schon viel erlebt. Und ich habe, wie gesagt auch schon viel Fantasie erprobt. Aber seit ich meinen Vater begleitet habe, ist mir die Achtung des Lebens so wichtig wie noch nie.
Amen
j
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