Liebes Buch von Marina Lewyckas mit dem Titel "Caravan",
schön, dass es Dich gibt.
Dies wird ein Brief an ein Buch. Ich könnte auch die Autorin anschreiben, aber da sie vielleicht nie dazu kommen wird, meine Kritik zu lesen, beschreibe ich das Buch.
Ich genoss es sehr dieses Buch zu lesen. Empfohlen von einer Freundin stand es bestimmt ein Jahr lang ungelesen in meinem Bücherregal. Dann in der Übergangszeit vom langen Winter zum Frühling las ich es.
Der Schreibstil, die Erzählform ist so zugänglich und sehr einfach zu folgen. Es wird aus der Sicht mehrerer Erdbeerpflücker aus verschiedenen Nationen erzählt. Gebürtig in verschiedenen Nationen aber als Erdbeerpflücker in Großbritannien tätig.
Schon bald hat man Mitleid mit der Protagonistin und wünscht sich, dass sie ihre Liebe in ihrem Kollegen findet. Dieser Kollege bleibt auch tatsächlich an ihr dran und rettet sie, wie einer der großen Helden aus verschiedenen Situationen und mit großen Gesten aber wenigen Worten.
Nach einer Zeit und die Passagen, die von dem mitreisenden Hund verfasst oder zitiert sind, ließt man quer. Jedenfalls musste ich das, weil ich den Verlauf der Geschichte beschleunigen wollte. Nicht unbedingt, weil es langweilig wurde, sondern weil meine Vorstellungskraft, wie bei jedem von mir gelesenem Buch, immer einen Schritt voraus war.
Ich wünschte wirklich mein Beruf würde der des Adaptat
ionen schreibenden sein.
Ich roch, ich sah, ich fühlte die Hitze und die abgetragenen Schuhe der Protagonisten und die Uniform der Kellnerin. Ein Hoch auf die Vorstellungskraft oder die Magie, die entsteht wenn ein Text diese Bilder in den Köpfen der Leser entstehen lässt.
Was genau hängen geblieben ist von der Geschichte ist, unter anderem auch die detaillierte Beschreibung der Hühnerverarbeitungsfabrik in Großbritannien.
Schreckliche Szenen von teilweise noch lebend verarbeiteten Hühnern auf einer Farm in mehreren Hallen. Und das glückliche Huhn auf der Verpackung der Chicken Wings (in der Adaption). Im Internet kursieren zur Zeit zahlreiche und immer noch nicht genügende Videos von solchen Massenvernichtungen von Tieren. Sollten wir alle Vegetarier werden?
Das Geschäft mit Waren, Genussgüter, trockenen Waren und Menschen (Arbeitskräfte). Ich sage, `Caravan` zeichnet einen psychologischen Zugang zu unserer Gesellschaft. Und es ist eine Sichtweise auf das fortschrittliche Europa, denn trotz der Träume, die verwirklicht werden können, trotz der Millionäre, die es hervorbringen kann, kann es genauso gut auch Seelen, Herzen und Menschen brechen.
Ich sehe eine Stadt, eine Gesellschaft doch nicht anhand einer Statistik. Anhand einer prosperierenden Wirtschaft. Nein, ich komme in eine Stadt und schaue dem Obst- und Gemüsehändler ins Gesicht. Ich sehe die gestresste Geschäftsfrau neben mir, die ihren Kaffee ausschließlich `to go` genießt. Ich laufe durch die Einkaufsstraße und bemerke, dass derjenige vor mir ungeduscht riecht. Ich bemerke, dass er nicht regelmäßig zum Friseur geht, weil er Wichtigeres zu erledigen hat. Wie zum Beispiel einen neuen Job oder eine neue Wohnung zu finden. Ich bemerke die Plätze an denen sich die Betrunkenen treffen, an denen die Obdachlosen schlafen.
Eine Gesellschaft ist für mich genau das, was in diesem Buch beschrieben wird.
Ich melde mich zurück, wenn ich Deine Fortsetzung lesen darf.
Jey

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